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Expert Statement: Klaus Oberrauner


„Fordernde Zeiten wie diese schweißen in den Kreativwerkstätten enorm zusammen. Ideen wachsen, neue Wege fördern Experimentierfreude und neue Farben können entstehen. Facettenvielfalt zeigt auch, wie einfallsreich Mensch sein kann. Wenn allerdings eine gepredigte Solidarität ihre Grenzen haben soll, wo künstlerisches Schaffen Mehrwert für die Gesellschaft hervorbringt, hüte man sich vor dem Gespenst, das man ruft: die lautlose, entgeisterte Welt.“

Fordernde Zeiten wie diese schweißen in den Kreativwerkstätten enorm zusammen. Ideen wachsen, neue Wege fördern Experimentierfreude und neue Farben können entstehen. Facettenvielfalt zeigt auch, wie einfallsreich Mensch sein kann. Wenn allerdings eine gepredigte Solidarität ihre Grenzen haben soll, wo künstlerisches Schaffen emotionalen, philosophischen oder auch geistigen Mehrwert für die Gesellschaft hervorbringt, hüte man sich vor dem Gespenst, das man ruft: die lautlose, entgeisterte Welt.

Gerade in Zeiten wie diesen, in denen von „neuer Normalität“ gesprochen wird, stecken, in die Zukunft geblickt, auch scheinbar übersehene Chancen. Irritierenderweise lässt sich eine angepriesene, schon emblematisch ausgerufene „Solidarität“ sezieren, auf Waagschalen portionieren oder von bürokratischen Sümpfen überwuchern. Ein virtueller Betrieb läuft weiter und überrollt alles, was nicht weiterkann. Dabei kennt diese unsichtbare Bedrohung weder Branchen- noch Herkunftsgrenzen. Und doch wird lieber über die Sinnhaftigkeit mancher solcher nachgedacht, als auch den unermesslichen Mehrwert der Entschleunigung, des gebremsten Überschwangs und des Zur-Besinnung-Kommens wahrzunehmen. Ich würde es – vielleicht nicht einmal zu weit gegriffen – sogar als evolutionäre Chance begreifen. Wenn dies der Sinn einer „neuen Normalität“ ist, würde ich sie wohlwollend begrüßen.

Wenn sonst niemand, vermag es gerade die Kunst, nachhaltigen Atem zu schaffen. Allmählich beginnt man nun auch auf die Kunst- und Kulturschaffenden zu schauen. Dass es zuweilen eher Trostpflaster- denn Wertschätzungscharakter hat, mag hoffentlich täuschen. Auffallend ist, dass insbesondere der Literatur in der öffentlichen Wahrnehmung eine ihr unwürdige kleine Rolle zukommt.
Hat man doch schnell wieder – möglichst stillschweigend – den Reigen des wachstumsorientierten Massenkonsums im Visier. Überhaupt ist die Arbeit der (künstlerisch) schreibenden Zunft zwar eine zurückgezogene, aber ungeheur unterschätzte. Es mag wohl erschütternd klingen. Vielleicht mancherorts auch exotisch. Aber es ist ist schon ein bisschen mehr als nur ein Hinsetzen und ein Fabulieren. Sieht sie sich – schon von Haus aus – einer vergleichsweise mit viel Anstrengung verbundenen Sichtbarwerdung gegenüber, scheinen auch die Werbemöglichkeiten – gerade dieser Tage – endenwollend zu sein.

Der scheinheilige Segen heißt „Social Media“. Derzeit ein Sammelpool – ein Pferch für alles, was de facto nicht öffentlich sein kann. Ein Strohhalm. Und ein Loblied auf diese ungreifbare Parallelwelt. Und schnell echot der Tenor: Wohl ein Paradies für den Autor, eine nicht mit Stechuhr arbeitende Ich-AG. Des Netzwerkens lange noch nicht müde, rafft er sich auf, sich zusammengerotteten Gleichgesinnten anzuschließen. Um, so die Beschreibungsetiketten einiger Herden, möglichst auch sein Werk – für das es im seltensten Fall eine Galerie gibt – an Lesefreudige zu bringen. Doch prangt das Kleingedruckte wie der Postkastenkleber: Bitte keine Werbung. Vor der Androhung umgehenden Löschens. So baut sich in der virtuellen Sozietät ein ganz eigenes und befremdliches Schildburg.

Dass jenseits der Grenzen, aber auch hierzulande, auf die Kultur wie auf eine rote Laterne geschaut wird, herab irgendwie und schultzerzuckend, schwört beiderlei herauf. Die Idee, das Zusammentun und das Schöpfen aus der Kraft des Nichtsdestotrotz. Aber auch den Appell, dem unbedachten Wunsch nachzukommen, eine farblos, klanglose, sprachlose und phantasielose Wüste zurückzulassen. Und im Schatten der Annahme, dass Schreiberlinge doch Hochkonjunktur haben müssten, sperrt wieder ein Buchhändler zu. Für immer.

Der Autor schreibt weiter. Für jeden Atemzug. Wider die geistige Verarmung. Denn mit dem Atmen aufzuhören, wäre lebensmüde. Er schreibt weiter. Wider Verarmung. Wider die Trockenlegung der Phantasie.


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Anja Mutschler

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