Dem Journalismus geht es in der Corona-Krise ein bisschen so wie den Pflegekräften in Krankenhäusern: Journalismus ist systemrelevant, er erfreut sich einer seit langem schon nicht mehr verzeichneten Akzeptanz und Beliebtheit, die Politik wird nicht müde, seine Bedeutung hervorzuheben – aber vom Applaus allein können sich eben sowohl Pflegekräfte als auch der Journalismus nichts kaufen.

Im Gegenteil: Es steht zu befürchten, dass nicht alle journalistischen Angebote der Vor-Corona-Zeit diese Krise überleben werden. So treffen die Einbrüche am Werbemarkt die Print-Branche besonders hart, weil diese sowieso schon mit sinkenden Anzeigenerlösen zu kämpfen hat. Das können auch jetzt steigende Online-Abo-Zahlen nicht auffangen. Wirkungstreffer müssen auch die privaten Radiosender einstecken. Während die nationale Werbung, weil ins Internet abgewandert, rückläufig ist, gewannen die regionalen Werbeerlöse in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung. Es sei denn, die regionale, mittelständische Wirtschaft liegt auf Eis – wie jetzt.

Nun mag das der ein oder andere vielleicht als notwendige Marktbereinigung abtun. Doch ein rein wirtschaftlicher Blick auf die Medienlandschaft in unserem Land verbietet sich. Denn mit Zeitungen und Radiosender sind exakt DIE beiden Medien am stärksten betroffen, die fest im Lokaljournalismus verwurzelt sind. Also genau in DEM Teil der Berichterstattung, der seit geraumer Zeit am stärksten nachgefragt wird und dessen Bedeutung in der Krise noch einmal gestiegen ist.

Schon jetzt gibt es Regionen in Deutschland, in denen keine lokale Tageszeitung mehr erscheint. In denen also beispielsweise kommunales Verwaltungshandeln und damit Politik ohne journalistische Kontrolle bleibt. Eine solche Entwicklung müsste jedem Demokraten nicht zu ertragende Zahnschmerzen verursachen. In den USA ist zu beobachten, was in den Regionen geschieht, aus denen sich der Lokaljournalismus zurückgezogen hat: steigende Korruption und politische Willkür korrelieren mit der wachsenden Verbreitung von Fake-News.

Zu oft noch wird „Zeitung“ mit „auf Papier gedruckt“ assoziiert – einem Medium, welches unbestritten an Bedeutung verloren hat. Längst schon hat nicht mehr jeder Haushalt eine Tageszeitung. Aber abseits von der Diskussion um die Darreichungsform muss die Diskussion um den unbedingten Erhalt des Lokaljournalismus geführt werden. Und zwar mit aller Konsequenz, was auch bedeutet, dass über dessen Subventionierung gesprochen werden muss.

Wir alle leisten uns einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, den man mit Fug und Recht als Flaggschiff des Journalismus im Hörfunk- und TV-Bereich in Deutschland bezeichnen kann. Was die ÖR aber nicht können: eine eventuell wegbrechende Lokalberichterstattung auffangen. Und genau an dieser Stelle muss die Debatte ansetzen. Und zwar umgehend – bevor es nichts mehr gibt, über das man debattieren kann.