Die Coranakrise führt aktuell zu einer massiven Transformation der Arbeitssituation von Millionen Beschäftigten in Deutschland, die Büro- oder Wissenstätigkeiten nachgehen. Von jetzt auf gleich wurden diese Beschäftigten angewiesen, sofort vollständig von zu Hause zu arbeiten. Dies hat dazu geführt, dass eine große Anzahl von Beschäftigten aktuell Vollzeit von im Homeoffice arbeitet. Repräsentative Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigen, dass durch die Krise die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland im Homeoffice von 12 Prozent auf 33 Prozent gestiegen ist.

Die Frage ist jetzt, wie nachhaltig diese Transformation der Arbeitswelt ist, wenn jetzt die Coronamaßnahmen in Wirtschaft und Gesellschaft wieder gelockert werden? Erleben wir durch die Coronapandemie eine Veränderung hin zu mehr „New Work“, d.h. zu flexibleren Arbeitsarrangements, mit der Präsenzpflicht im Büro, nicht mehr als alleinigen Standard, wie bisher? Aktuell führe ich mit meinem Forschungsteam an der Universität Konstanz die Konstanzer Homeoffice Studie durch, in der wir 700 Erwerbstätige befragen, die aktuell im Homeoffice arbeiten und die repräsentativ für die deutsche Erwerbsbevölkerung sind, um diese Fragen zu beantworten. Basierend auf den ersten Studienergebnissen würde ich die These aufstellen, dass die coranabedingten Veränderungen der Arbeitswelt sehr nachhaltig sein werden. Was wir in der Studie sehen, ist, dass eine große Mehrheit der Befragten sehr zufrieden mit der neuen Arbeitssituation ist und ein hohes Engagement und Produktivität berichtet. Zusätzlich wird insbesondere auch die Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben, als besonders positiv während der Homeofficetätigkeit eingeschätzt. Auch wenn das Arbeiten von zu Hause, durchaus auch Schattenseiten hat, wie eine soziale Isolierung und eine mögliche emotionale Erschöpfung, wenn man es nicht schafft seinen Arbeitstag gut zu strukturieren, dürfte es vielen Unternehmen schwerfallen nach Corona das Rad wieder komplett hin zu einer vollständigen Präsenzpflicht zurückzudrehen. Die Kultur in vielen Unternehmen, die Präsenz im Büro mit Leistung gleichsetzt, dürfte durchaus beträchtlich ins Wanken kommen und auch die Argumentation von Führungskräften, dass spezifische Bürotätigkeiten grundsätzlich nicht im Homeoffice möglich sind, dürfte schwer zu halten sein.

Neben diesen positiven Effekten für die Mitarbeitenden werden viele Firmen auch schnell feststellen, welche betriebswirtschaftliche Potenziale sich durch ein Einsparen von Bürokapazitäten ergeben können, was den Transformationsprozess noch weiter beschleunigen dürfte. Flexibles und mobiles Arbeiten dürfte zudem ein noch zentralerer Faktor der Arbeitgeberattraktivität werden, der von Bewerbern zukünftig als selbstverständlich für eine attraktive Tätigkeit vorausgesetzt wird. Auch aus einer Klimaschutzperspektive können durch verstärktes Homeoffice ein hohes Maß an CO2 Ausstoß, durch den Wegfall von täglichen Pendelstrecken, erreicht werden. Spannend wird auch zu beobachten sein, wie sich die Arbeitsgesetzgebung auf die neuen Arbeitsbedingungen einstellt, mit der aktuellen Debatte zu einem gesetzlichen Recht auf Heimarbeit als akuter Startpunkt.