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Fricker fragt: Was bringt das Wissenschaftsjahr zur digitalen Gesellschaft? (aus unserem Infoletter 08/2014)
#46 4/01/2017 Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten.

Bullrun und Edgehill versetzten die Welt vor einem Jahr in Aufruhr. Wie können wir heute als digitale Gesellschaft auf die Herausforderungen von Big Data und Datenschutz reagieren? Dr. C. Fricker gibt Antworten.

Bullrun und Edgehill — ein Jahr ist es nun her, dass Edward Snowden uns diese beiden Programme enthüllte. In ihrem Rahmen bauten die US-amerikanischen und britischen Geheimdienste Schwachstellen in Software-Programme ein, die für Hunderte von Millionen Menschen zum persönlichen und beruflichen Alltag gehören. Das ist als Vorgang schon schlimm genug. Schockiert haben mich aber vor allem die Namen der beiden Programme. Bullrun ist eine Schlacht im amerikanischen, Edgehill eine im englischen Bürgerkrieg. Die Geheimdienste sehen sich im Krieg mit den Bürgern. Eine Konfrontationslinie verläuft also offenbar quer durch die moderne Gesellschaft.

In diesem neuen Bürgerkrieg können wir eine von zwei Positionen einnehmen. Die erste: Wir stellen uns auf die Seite der Daten. Wir gehen davon aus, dass wir nur genug Informationen sammeln müssen, um optimal handeln zu können. Was uns dann anleitet, ist der Glaube an die Möglichkeiten von Maschinen. Das funktioniert zu einem gewissen Grad – aber nicht immer. Auch das engste Überwachungsnetz konnte das Handeln eines Edward Snowden oder der Terrorgruppe Islamischer Staat und sicher auch vieler mündiger Konsumenten nicht voraussagen. Vor allem die Entscheidungen letzterer haben nämlich weniger mit den Möglichkeiten von Maschinen als mit den Hoffnungen und Bedürfnissen von Menschen zu tun. Das konfrontative Vorgehen der Geheimdienste geht gerade von diesen Hoffnungen und Bedürfnissen nicht aus, ja blendet sie sogar aus. Das ist die zweite Möglichkeit, die wir haben: vom Menschen her zu denken und zu handeln, und zwar vom konkreten, einzelnen Menschen her.

Vernetzung, Standardisierung und Mobilität werden mit großem Eifer vorangetrieben. Dieser Eifer suggeriert, dass die Zukunft der Gesellschaft unvermeidlich und ausschließlich digital sein wird – und dass zum Menschen nur das Messbare gehört.

Die Schattenseite dieser Entwicklung: Jener Teil der Gesellschaft wird zum Gegner erklärt, der sich der vermeintlich alternativlosen Vermessung des Menschen fragend und eigenmächtig handelnd entgegenstellt.

Zu jenem Teil der Gesellschaft gehören liberale Unternehmer, eigensinnige Bürger und selbstbewusste Verbraucher.

Wir befinden uns im Wissenschaftsjahr 2014, und die große Chance von Wissenschaft besteht derzeit darin, diese Gruppen einerseits und technologisch motivierte Machthaber andererseits miteinander in ein offenes Gespräch zu bringen.

Wer die Hoffnung auf das freie und selbstbestimmte Handeln des Menschen nicht aufgegeben hat, hat im Wissenschaftsjahr 2014 die Möglichkeit, die dieser Hoffnung zugrunde liegenden Werte neu zu beleuchten.

NIMIRUM als Wissensdienstleister hat sich seit seiner Gründung 2010 an dieser Debatte beteiligt. Das Zusammenspiel von unternehmerischem Handeln und intellektueller Redlichkeit ist unser Anliegen und unser Tagesgeschäft.

NIMIRUM recherchiert Trendthemen, Märkte und Branchen für Agenturen und Unternehmen in 50 Ländern. Ihre Ansprechpartnerin für strategische und individuelle Projekte ist die Inhaberin von NIMIRUM, Anja Mutschler. Sie erreichen sie hier und per Telefon 0341/ 580 680 73.

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Wir empfehlen Ihnen folgende Zitierweise:
Fricker, Christophe: „Fricker fragt: Was bringt das Wissenschaftsjahr zur digitalen Gesellschaft? (aus unserem Infoletter 08/2014)”, unter: https://www.nimirum.info/insights/b_046-fricker-fragt-was-bringt-das-wissenschaftsjahr-zur-digitalen-gesellschaft-aus-unserem-infoletter-08-2014/ (abgerufen am 7/12/2018).

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Christophe Fricker

Dr. Christophe Fricker

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