Menü
Kontakt
Interkulturelles Wissen: Du, wie sagen das die Finnen?

Interkulturelles Wissen: Du, wie sagen das die Finnen?
#103 29/06/2015 Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten.

Kleiner Praxistest. Ein Unternehmen will auf den finnischen Markt für Versicherungen. Die potentiellen Kundinnen und Kunden will man möglichst höflich ansprechen. Die alte Frage also: siezen oder duzen?

Unsere Einschätzung zum Thema Anreden im Finnischen:

1. Im Finnischen wird viel häufiger geduzt als im Deutschen. Harald Molan erklärt in seinem Lehrbuch Grundwortschatz Finnisch: Es ist ganz einfach üblich, sich in Alltagsgesprächen zu duzen. Molan weist darauf hin, dass sich die Frage nach der Anrede schon mit dem Gruß entscheidet. Wer einen mit hei anspricht, wird einen duzen. Die Begrüßung hyvää päivää deutet dagegen darauf hin, dass es sich um ein sehr offizielles Gespräch handeln wird – das Siezen ist aber nicht einmal hier eine Bedingung. Grundsätzlich gilt: Die Anrede muss zum Stil des sonstigen Textes (z.B. möglichen Begrüßungen) passen.

2. Deutsche und finnische Werbekampagnen lassen sich gut parallel untersuchen. Sabine Ylönen schrieb in ihrem Artikel Webvertising deutsch/finnisch, dass die Anrede in finnischen Werbungen zwischen Siezen, Duzen und passiven Formen variiert. Insgesamt stand aber während ihres Untersuchungszeitraums das Du im Vordergrund. In den vergangenen Jahren ist das Siezen allerdings wieder etwas salonfähiger geworden.

3. Jukka Korpela erklärt in seinem Stil- und Rechtschreibführer Nykyajan kieliopas: Man siezt vor allem, wenn man einen etwas älteren Kunden anspricht. Wie in vielen anderen Sprachen auch ist also im Finnischen der Faktor Generation zu beachten.

4. Eine wichtige Hintergrundinformation: So wie heute ist die Situation ungefähr seit den 1960er-Jahren. Damals wurde das Duzen zum Normalfall, nur noch ältere, fremde Menschen werden nun gesiezt. Die Folge: Viele Menschen, die in den 60ern oder 70ern geboren sind, fühlen sich beleidigt, wenn man sie siezt. Sie denken, dass man sie für alt hält. Und alt sein will erst einmal niemand.

5. In der Direktwerbung wird häufig geduzt. Der Text liest sich fließender. Da der Absender den Empfänger ohnehin nicht kennt, nimmt man das „normale“ Pronomen, und das ist immer noch das Du.

6. Ein kurzer Blick auf die Webseiten der größten finnischen Versicherungsagenturen ergibt, dass der Kunde in diesem Zusammenhang immer geduzt wird.

Unsere Empfehlung: Du! Die einzige Ausnahme wäre, wenn die Werbung sich ausschließlich an ältere Personen richtet.

Unsere Expertin: Riikka Johanna Uhlig wurde 1977 in Jyväskylä in Finnland geboren. Sie übersetzt für Nimirum aus dem Finnischen ins Deutsche und umgekehrt, vor allem Werbung, Bedienungsanleitungen und Korrespondenz. Riikka Uhlig studierte Fennistik und arbeitete als Volontärin am Finnland-Institut in Berlin. 

Sie wollen Ihre Internationale Kommunikation mit NIMIRUM verbessern?

NIMIRUM unterstützt Sie bei Internationalisierung, Markteinführung und Vor-Ort-Recherche.
Anja Mutschler und Ihr Team liefern maßgeschneiderte Lösungen. Kontaktieren Sie uns!
Telefonisch unter +49 (341) 580 680 73 oder per Mail an sales@nimirum.info.

Gerne vermitteln wir unsere Experten auch an Medien. Schreiben Sie uns an presse@nimirum.info

NIMIRUM auf Facebook -- NIMIRUM auf Twitter -- Anmeldung zum Infoletter

Wir empfehlen Ihnen folgende Zitierweise:
Uhlig, Riikka J.: „Interkulturelles Wissen: Du, wie sagen das die Finnen?”, unter: https://www.nimirum.info/insights/b_103-du-wie-sagen-das-die-finnen/ (abgerufen am 12/12/2019).

Ein Thema, mit dem Sie beruflich zu tun haben?


Anja Mutschler

Anja Mutschler

Inhaberin

Dann helfen wir Ihnen, auf dem Laufenden zu bleiben. Nimirum bespielt fundiert eine Bandbreite an Themen, die für Menschen und Märkte derzeit interessant sind. Abonnieren Sie unseren Infoletter, der Ihnen regelmäßig alle Insights zusammenfasst. Oder buchen Sie eine Research von Nimirum, die Ihnen komplett und maßgeschneidert dieses Thema aufbereitet. Schauen Sie hier, was wir im Angebot haben oder kontaktieren Sie Anja Mutschler direkt als Ihre Ansprechpartnerin für Research-Projekte.

Kontakt mit Anja Mutschler

Dieser Artikel ist ihnen etwas wert:

Diesen Artikel bewerten:

Weitere verwandte Artikel lesen


50 Cents zur Hypermotion von Alfred Fuhr #231 – 9/12/2019

Auch in diesem Jahr war NIMIRUM wieder auf der Hypermotion unterwegs und stellte die Methode der Mobilitäts-Biographien vor. Alfred Fuhr berichtet auch von seinen Eindrücken als Besucher der Messe und von interessanten Gesprächen und Begegnungen.

Community Building, Teil 1: Grundlagen für erfolgreiches Community Building #230 – 30/10/2019

In dieser dreiteiligen Serie untersuchen wir mit unserer Lead-Expertin Prof. Dr. Astrid Nelke den neuen und zugleich uralten Trend des Community Building. Die Digitalisierung hat die Community neu belebt. Die digitale bzw. virtuelle Community kann ganz verschiedene Formen annehmen, folgt aber in Aufbau, Etablierung und Betrieb bestimmten Kriterien. Der erste Teil der Serie widmet sich den Grundlagen für erfolgreiches Community Building.

Research Guide, Teil 1: Keine Angst vorm Deep Web – Wie funktionieren eigentlich Suchmaschinen? #228 – 20/06/2019

Im ersten Teil unseres Research Guides mit Rechercheprofi Heike Baller schauen wir uns an, wie Suchmaschinen eigentlich funktionieren, wie Google zur wichtigsten Suchmaschine wurde und welche Alternativen vielleicht doch noch nützlich sein könnten.

Research Guide, Teil 2: Effiziente Recherche braucht ein paar Kenntnisse #229 – 20/06/2019

Im zweiten Teil unseres Research Guides mit Rechercheprofi Heike Baller stellen wir die wichtigsten Zeichen, Befehle und Tricks vor, mit denen man seine eigenen Suchanfragen um einiges verbessern kann.

Kampf der Mobilitätskulturen Teil 1: Automobilismus als Privileg #225 – 8/04/2019

Automobilismus: Ein Privileg oder Vorraussetzung zur gesellschaftlichen Teilhabe? Dieser Frage widmet sich NIMIRUM-Experte Gunter Heinickel in einer dreiteiligen biographisch-historischen Perspektive. Teil eins: Automobilismus als Privileg.

Kampf der Mobilitätskulturen Teil 2: Mobilitätsbiographie als Blaupause #226 – 8/04/2019

Automobilismus: Ein Privileg oder Vorraussetzung zur gesellschaftlichen Teilhabe? Dieser Frage widmet sich NIMIRUM-Experte Gunter Heinickel in einer dreiteiligen biographisch-historischen Perspektive. Teil zwei: Mobilitätsbiographie als Blaupause.

Kampf der Mobilitätskulturen Teil 3: Mobilität muss auch heute nutzerorientiert gedacht werden #227 – 8/04/2019

Automobilismus: Ein Privileg oder Vorraussetzung zur gesellschaftlichen Teilhabe? Dieser Frage widmet sich NIMIRUM-Experte Gunter Heinickel in einer dreiteiligen biographisch-historischen Perspektive. Teil drei: Mobilität muss nutzerorientiert gedacht werden.

Interkulturelles Weihnachtsessen – Worauf Sie achten müssen #219 – 22/12/2017

Weihnachtstraditionen gibt es viele und die hören beim Weihnachtsessen nicht auf. Wir zeigen Ihnen die ungewöhnlichen und alltäglichen Weihnachts- und Wintergerichte, die unsere Länderexperten für Schweden, Frankreich und Polen gesammelt haben. In einem anderen Land gibt es dagegen statt aufwendigen Weihnachtsgerichten meistens eher einen Eimer KFC.

Wie geht es weiter mit Journalismus und Gesellschaft? #217 – 15/12/2017

Wer sich heute für den Journalismus entscheidet, hat klare Vorstellungen – aber auch Fragen: an Medienhäuser, an die Öffentlichkeit, an sich selbst. Die 12 Studierenden des internationalen Masterstudiengangs New Media Journalism (NMJ) haben sich zum Auftakt an der Leipzig School of Media in einer Übung journalistisch mit dem Thema Journalismus auseinandergesetzt. Einige Gedanken und Reflexionen von Studiengangsleiter Dr. Tobias D. Höhn.

Hypermobility! NIMIRUM auf der Hypermotion #216 – 11/12/2017

Alfred Fuhr war für NIMIRUM auf der neuen Messe Hypermotion in Frankfurt und hat mit Beteiligten und Gästen über den Begriff der Hypermotion als Oberbegriff zu Mobilität, Logistik, Digitalisierung und Dekarbonisierung gesprochen. Bildquelle: Messe Frankfurt Exhibition GmbH.