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Von Kentucky Fried Chicken bis zum Kohlrouladentag – Interkulturelle Weihnachtsessen
#219 22/12/2017 Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten.

Weihnachtstraditionen gibt es viele und die hören beim Weihnachtsessen nicht auf. Wir zeigen Ihnen die ungewöhnlichen und alltäglichen Weihnachts- und Wintergerichte, die unsere Länderexperten für Schweden, Frankreich und Polen gesammelt haben. In einem anderen Land gibt es dagegen statt aufwendigen Weihnachtsgerichten meistens eher einen Eimer KFC.

In Deutschland starten die Essenstraditionen mit dem 24.12. An Heiligabend gibt es in vielen deutschen Haushalten Bockwurst mit Kartoffelsalat, ein schlichtes Essen, dass an Jesu Geburt in einem schlichten Stall erinnern soll. In Japan geht es dagegen etwas fettiger zu. Hier gehört für zumindest ca. 3,6 Millionen Menschen ein Eimer frittierter Hähnchenteile von Kentucky Fried Chicken zur Weihnachtszeit dazu. Die etwas ungewöhnliche Weihnachtstradition geht auf Takeshi Okawara zurück. Der Manager der ersten KFC-Filiale in Japan schnappte bei einer Auswandererfamilie in seinem Geschäft auf, dass man den Truthahn zu Weihnachten etwas vermisse. Okawara witterte seine Chance und bot einen speziellen Weihnachtseimer an, um zumindest einen kleinen Ersatz für das traditionelle Weihnachtsessen zu bieten.

Die Kampagne hat großes Aufsehen in Japan erregt, auch da man bisher keine konkurrierenden Weihnachtstraditionen kannte. Für viele Familien wurde so eine Tradition geboren, inzwischen bietet die Kette ganze Kentucky-Christmas-Dinner-Pakete komplett mit Nachspeise und Wein an. Dieses einzigartige Weihnachtsessen wird sich jedoch an anderen Orten wohl kaum durchsetzen und funktioniert nur durch den ansonsten eher fehlenden Bezug der Japaner zum christlichen Fest. In anderen Ländern, in denen die Zubereitung der Speisen bereits zur Tradition gehört, ist Fast Food nicht an der Tagesordnung. Nachdem wir vor zwei Jahren bereits in Rumänien in den Kochtopf und in Italien ins Sektglas geschaut haben, geht es dieses Jahr mit unseren Länderexperten nach Schweden, Frankreich und Polen.


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Schweden vom Kohlrouladentag bis zum Fett-Dienstag

Nicht nur Weihnachten, sondern die gesamte Winterzeit ist in Schweden geprägt von verschiedenen Tagen, an denen bestimmte Lebensmittel gefeiert werden. Der Kohlrouladentag macht am 30. November den Anfang. Die Tradition der Kåldolmen geht in Schweden auf Karl XII. zurück, der nach einer verlorenen Schlacht fünf Jahre im Exil im Osmanischen Reich verbracht hat. Dort war er scheinbar sehr von den gefüllten Weinblättern der osmanischen Küche angetan, die seine schwedischen Köche nach seiner Rückkehr mit Kohl und Schweinefleisch an die schwedische Küche angepasst haben.

Während Kohlrouladen auch an anderen Tagen in Schweden auf den Tisch kommen, gibt es bestimmte Gerichte nur auf dem Julbordet, dem Weihnachtstisch. Dazu zählen etwa Julskinka (Weihnachtsschinken), Janssons Frestelse (Auflauf aus Kartoffeln und Anchovis), Pepparkakor (Pfefferkekse) und Lussebullar (süßes Brot). Auch Julmust, ein süßes Malzbier, wird nur in der Weihnachts- und Winterzeit verkauft und ist sonst nicht erhältlich.

Die speziellen Essenstage gehen in Schweden bis in das Frühjahr hinein, Fettisdagen (Wörtlich: Fett-Tag) ist der Dienstag vor Aschermittwoch und damit der letzte Tag vor der Fastenzeit. In Schweden werden daher traditionell Semlor gegessen. Diese süßen Brötchen sind daher das letzte fette Essen, bevor die christliche Fastenzeit beginnt.

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Alle Jahre wieder ein 12-Gänge-Menü in Polen

In Polen spielt das Kochen in der Weihnachtszeit eine wichtige Rolle, es ist den meisten Menschen sogar wichtiger als die Geschenke. Dabei wird vor allem im Rahmen der Familie gekocht, mit Freunden eher weniger. An Silvester gibt es oft nur ein kaltes Buffet oder es wird ein Caterer engagiert. In der Familie kommen dagegen im Winter gleich mehrere Gänge auf den Tisch.

An Heiligabend müssen es in Polen mindestens zwölf Gerichte sein, eine Zahl die sowohl auf die Apostel Jesu als auch auf die Monate zurück gehen kann. Pflichtprogramm ist dabei vor allem Borschtsch mit roter Beete, aber auch Maultaschen, meist mit Pilzen gefüllt, dürfen nicht fehlen. Der Karpfen in verschiedenen Variationen gehört ebenfalls dazu: in Sahnesoße, mit Kartoffeln oder in Gelee. Für die Nachspeise sind Mohngerichte beliebt, als Kuchen, Strudel oder auch Mohnnudeln. Traditionell sind dabei übrigens alle zwölf Gerichte fleischfrei, inzwischen hat sich in einigen Familien aber auch die Ente als Weihnachtsessen etabliert.

Bei vielen Gerichten halten es die meisten Menschen in Polen traditionsbewusst und kochen nach den Rezepten älterer Generationen. Die Rezepte sollen dabei durch die Erfahrung vieler kalter Winter vor allem wärmend und nährstoffreich sein. Generell wird im Winter eher ungesünder und durch die vielen Gänge mehr gegessen als im übrigen Jahr.

Winter in Frankreich: eine rein französische Angelegenheit

In Frankreich stehen im Winter ebenfalls wärmende und deftige Mahlzeiten auf dem Programm. Die Feiertage werden zum Anlass genommen, um gemeinsam zu kochen. Die Weihnachtszeit und der gesamte Winter ist dabei für viele eine rein französische Angelegenheit: Der Weihnachtsmann vom Nordpol ist die einzige Assoziaton aus dem Ausland.

Die typischen französischen Gerichte im Winter und zu Weihnachten sind Pot au feu (Eintopf), Blanquette de veau (Kalbsfleischfrikassee), Tartiflette, Choucroute (Sauerkraut), Boeuf Bourguignon (Rindsgulasch), Magrais de canard (Entenbrust), Raclette, sowie die Klassiker Crêpe und Galette.

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Wir empfehlen Ihnen folgende Zitierweise:
Berger, Björn: „Von Kentucky Fried Chicken bis zum Kohlrouladentag – Interkulturelle Weihnachtsessen”, unter: https://www.nimirum.info/insights/b_219-interkulturelles-weihnachtsessen-von-kentucky-fried-chicken-bis-zum-kohlrouladentag/ (abgerufen am 9/02/2018).

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Anja Mutschler

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