Reporting for Change: Wie CSR-Berichte ein Unternehmen verändern

In diesem Jahr sind Unternehmen erstmals dazu verpflichtet eine nicht-finanzielle Erklärung zu den sozialen und ökologischen Dimensionen ihrer Arbeit abzugeben – eine Neuerung die für viele betroffene Unternehmen nur als zusätzliche Arbeit gesehen wird. NIMIRUM-Expertin Kerstin Hermuth-Kleinschmidt zeigt, wie aus dem CSR-Bericht statt leidiger Verpflichtung ein direkter Mehrwert für das Unternehmen wird.

Kaum ein Unternehmen kann es sich heute leisten, das Thema Nachhaltigkeit nicht auf die eine oder andere Weise zu beachten. Vielen ist die eigene gesellschaftliche Verantwortung bewusst, andere spüren den Druck durch die Öffentlichkeit und von Verbrauchern, die ihre Kaufentscheidung zunehmend nach ökologischen und sozialen Kriterien ausrichten. Auch Finanzinvestoren lassen die Nachhaltigkeitsperformance zunehmend in ihre Risikobewertung einfließen und seit diesem Jahr hat der Gesetzgeber bestimmte große Unternehmen gesetzlich dazu verpflichtet, über die sozialen und ökologischen Auswirkungen in einer nichtfinanziellen Erklärung zu berichten .

Der Nachhaltigkeitsbericht oder CSR-Report ist ein Mittel der Unternehmenskommunikation, um die eigenen Nachhaltigkeitsleistungen nach außen zu tragen. Aber ein „Bericht" kann mehr: Er ist ein wichtiges Instrument aus dem Baukasten des Nachhaltigkeitsmanagements.

Denn im Reportingprozess werden Daten aus allen Unternehmensbereichen gesammelt; Stimmungen und Trends, Kritik und Ansprüche der Stakeholder an das Unternehmen werden eingefangen und ergeben so ein umfassendes Bild einer Organisation. Sinnvoll genutzt bringt er daher nicht nur interessierten Stakeholdern Informationen und Einblicke – er hilft vor allem dem Unternehmen, Risiken und Chancen frühzeitig zu erkennen und sich zukunftsfähig auszurichten.

CSR-Reporting – Mehrwert schlägt Aufwand

Knapp 500 Unternehmen in Deutschland müssen in diesem Jahr zum ersten Mal in einer nicht-finanziellen Erklärung Angaben zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen, zur Achtung der Menschenrechte sowie zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung machen. Ein Unternehmen muss darlegen, wie es mit diesen Belangen umgeht. Es muss Konzepte, Ergebnisse, mögliche Risiken und Leistungsindikatoren sowie sein Geschäftsmodell erläutern.

Hört sich kompliziert und nach viel Arbeit an? Diese Frage beantworten in einer aktuellen Umfrage mehr als 90% der befragten Unternehmen mit Ja. Gleichzeitig betonen drei Viertel der befragten Organisationen, dass sie den Mehrwert noch höher einschätzen. In einer zweiten Studie beurteilten 84% der befragten Großunternehmen, die zur Berichterstattung verpflichtet sind, diese ebenfalls positiv [1,2].

Welchen Mehrwert bringt das CSR-Reporting einem Unternehmen?

1. Sensibilisierung und Bewusstsein werden geschärft

Das Thema Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung wird durch den Reportingprozess präsenter. Durch die systematische Auseinandersetzung schärft sich das Bewusstsein für die Relevanz des Themas auf allen Unternehmensebenen, denn sowohl Unternehmensleitung wie auch Mitarbeiter aus den Fachabteilungen sind in den Reportingprozess eingebunden. Bei Unternehmen, die laut CSR-Richtlinienumsetzungsgesetz (CSR-RUG) zu einer nicht-finanziellen Erklärung verpflichtet sind, haftet zudem der Aufsichtsrat für deren Ordnungs- und Zweckmäßigkeit – und nimmt deren Prüfung dementsprechend ernst.

2. Konzepte werden genau unter die Lupe genommen

Inwieweit sind CSR-Themen in die Unternehmensstrategie integriert? Welche Maßnahmen werden daraus abgeleitet? Wie sind die internen Prozesse aufgestellt, um eine Umsetzung der Ziele und Maßnahmen zu erreichen? Wer nach dem Standard der Global Reporting Initiative (GRI) berichtet, muss für jeden Aspekt den Managementansatz erläutern, also genau darlegen, wie mit diesem Thema im Unternehmen umgegangen wird.


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3. Umfassende Datenerhebung zeigt den Status quo und schafft neues Wissen

Im Rahmen des CSR-Reportings werden Informationen zu den als wesentlich identifizierten Handlungsfeldern zusammengetragen. Dazu gehören quantitative Daten genauso wie qualitative Erhebungen und Auswertungen. Typische quantitativ erfassbare Leistungsindikatoren sind Angaben zur Höhe der direkten und indirekten Treibhausgasemissionen, die Zahl der Arbeitsunfälle, die Zahl an Diskriminierungsvorfällen und ergriffene Abhilfemaßnahmen oder die durchschnittliche jährliche Stundenzahl für Aus- und Weiterbildung pro Mitarbeiter nach Geschlecht und Mitarbeiterkategorie.

Diese Kennzahlen geben Stakeholdern und dem Unternehmen selbst einen umfassenden Überblick zum Status quo. Es wird deutlich, in welchen Bereichen keine oder nur unzureichend Daten vorhanden sind oder welche Kennzahlen in Zukunft mit aufgenommen werden sollten. Immerhin ein Fünftel der befragten Unternehmen möchte in Zukunft mehr Kennzahlen erfassen. Die Erkenntnisse aus dem CSR-Reportingprozess können auch Prozessverbesserungen anstoßen, zum Beispiel eine umfassende IT-Unterstützung im Unternehmen einzuführen.

Genauso relevant sind qualitative Erhebungen in Form von Interviews, Umfragen oder Diskussionsforen bei den eigenen Anspruchsgruppen. Dieser Stakeholderdialog ist ein wesentlicher Bestandteil des CSR-Reportingprozesses und wird nachfolgend noch eingehender betrachtet. Wenn der Prozess richtig gemanagt wird, erkennt das Unternehmen in der Erhebung und Bewertung von Stakeholder-Stimmen die für die Organisation wirklich relevanten Themen. Ein „Radar" kann dazu dienen, sich frühzeitig auf Trends und Risiken einzustellen. Insgesamt wird durch den Reportingprozess also praxisrelevantes Wissen generiert.

4. Interne Zusammenarbeit und Kommunikation verbessern sich

An einem CSR-Bericht arbeiten die verschiedensten Fachabteilungen zusammen. Auch das wird positiv bewertet, denn sowohl die Zusammenarbeit wie auch die interne Kommunikation verbessern sich. Insgesamt wird das Thema präsenter und die Bedeutung von „nichtfinanziellen Aspekten" wird erhöht, vor allem bei den höheren Ebenen bis zur Unternehmensleitung und dem Aufsichtsrat.

5. Risiken können frühzeitig identifiziert werden

Die genaue Betrachtung der gesamten Organisation in Hinblick auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte hilft Unternehmen nach eigenen Angaben, sich systematisch mit möglichen Risiken aus der eigenen Geschäftstätigkeit sowie aus den Geschäftsbeziehungen mit Lieferanten auseinanderzusetzen und diese früher zu erkennen. So können Problemstellen erkannt und Lösungen entwickelt werden.

6. Interesse von Finanzmarktakteuren an Nachhaltigkeitsperformance steigt

Unternehmen, die das CSR-RUG erfüllen müssen, spüren das wachsende Interesse von Finanzmarktakteuren an ihrer Nachhaltigkeitsperformance. CSR-Berichte erlauben es diesen, die einzelnen Unternehmen anhand ihrer Leistungsindikatoren einzuschätzen und untereinander zu vergleichen.

7. Reputation und Wettbewerbsvorteile

Ein Bericht, der transparent aufzeigt, wie ein Unternehmen mit den Auswirkungen seiner Geschäftstätigkeit umgeht, der Risiken und noch nicht angegangene Themenfelder aufzeigt, erhöht die Glaubwürdigkeit des berichtenden Unternehmens.

Gleichzeitig werden die Lieferanten in die Pflicht genommen. Auch Geschäftspartner achten vermehrt auf die Nachhaltigkeitskommunikation – laut CSR-RUG müssen Risiken auch in der Lieferkette dargestellt werden. Damit haben diejenigen, die ihre Leistungen offenlegen, gegenüber dem Mitbewerb einen Vorteil.

Kern des Reportings: Stakeholderdialog und Wesentlichkeitsanalyse

Die GRI definiert die Stakeholder (Anspruchsgruppen) eines Unternehmens als Gruppen, die „in beträchtlichem Maße von Aktivitäten, Produkten und Dienstleistungen der Organisation betroffen sind und von deren Handlungen eine Beeinflussung der Organisation in Bezug auf die erfolgreiche Umsetzung von Strategien und die Erreichung von Zielvorgaben zu erwarten ist."

Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter und Geschäftspartner stehen direkt mit dem Unternehmen in Kontakt. Aber auch Gruppen, die nicht direkt mit diesem zu tun haben, können Interessen und Erwartungen an ein Unternehmen und dessen Geschäftstätigkeit haben – beispielsweise NGOs, Gewerkschaften, Medien, Akteure aus der Politik oder der Zivilgesellschaft. Auch sie müssen in den Prozess der Berichterstattung eingebunden werden, damit sich ein möglichst umfassendes Bild ergibt. Wie das geschieht, bleibt dem Unternehmen überlassen. Es können Dialogforen oder Stakeholderkonferenzen sein, Fragebögen, direkte Gespräche mit ausgewählten Stakeholdern oder auch die Nutzung von Expertenpanels, die verschiedene Stakeholdergruppen repräsentieren. Für die strategische Positionierung eines Unternehmens ergeben sich daraus wertvolle Einsichten.

Nicht jedes Thema, das von Stakeholderseite kommt, ist gleich relevant für eine Organisation und umgekehrt. Für die Berichterstattung gilt die Maßgabe, dass die wesentlichen Aspekte aufgenommen werden müssen. Was heißt wesentlich? Der Ansatz der Global Reporting Initiative definiert Aspekte der Geschäftstätigkeit als wesentlich, die eine Auswirkung auf Umwelt und Gesellschaft haben und die Entscheidungsfähigkeit der Stakeholder in Bezug auf das Unternehmen beeinflussen. Zur besseren Visualisierung kann eine Wesentlichkeitsmatrix dienen, die die Bedeutung der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen für die Stakeholder gegen die für das Unternehmen aufträgt .

Auf diese Weise erhält man ein relativ gutes Bild davon, welche Themen für beide Seiten oder eben nur für eine Seite relevant sind. So kann für ein Unternehmen der Aspekt des Material- und Ressourcenverbrauchs wesentlich sein, während für Stakeholder Entlohnung und Leistung im Unternehmen wesentlich sind – beides kann in den Bericht aufgenommen werden . Und beide Themen erhalten dadurch die gleiche Relevanz, denn nun wird das Thema „Entlohnung und Leistung im Unternehmen" mit größerer Aufmerksamkeit behandelt, während es ohne Stakeholderbefragung unterschätzt und eventuell sogar zu einem Risiko geworden wäre. Denn wenn Mitarbeiter mit beidem nicht zufrieden sind, besteht die Gefahr, dass sie ihre Konsequenzen ziehen, im schlimmsten Fall in Form einer Kündigung. Weiß das Unternehmen darum, kann es frühzeitig gegensteuern und durch geeignete Maßnahmen für Mitarbeiter und, weiter gedacht, auch für potenzielle Arbeitnehmer zu einem attraktiven Arbeitgeber werden.

Daran sieht man die Stärke dieses Ansatzes: Organisationen erhalten Feedback dazu, ob ihre Themen bei den einzelnen Stakeholdergruppen die gleiche Priorität besitzen, und verhindern, dass sie andere aus dem Blickfeld verlieren. Ob ein Thema allerdings am Ende aufgenommen wird, diese Entscheidung liegt letztendlich bei der berichtenden Organisation.

GRI und DNK – Rahmenwerke unterstützen den Reportingprozess

Wer seinen ersten Bericht erstellt, kann verschiedene Standards und Rahmenwerke nutzen. Die beiden am häufigsten eingesetzten sind der GRI-Standard sowie der Deutsche Nachhaltigkeitskodex.

Vor allem größere Unternehmen nutzen den von der Global Reporting Initiative erarbeiteten GRI-Standard, bei dem aus einer Vielzahl an Aspekten die wesentlichen unter Einbeziehung der Stakeholder ermittelt werden. Welche Aspekte ausgewählt werden, ist dem Unternehmen überlassen, aber Angaben zu Organisation, Strategie und Managementansatz müssen immer gemacht werden, außerdem einige Standardangaben. Wer möchte, kann auch umfassend nach GRI berichten und muss dann weitere Kennzahlen und Informationen aufnehmen.

Der GRI-Standard ist gerade für Einsteiger oder kleinere Unternehmen sehr aufwändig, weshalb der Deutsche Nachhaltigkeitsrat vor einigen Jahren den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) als Alternative entwickelt hat. Dieser soll besonders kleineren Unternehmen den Einstieg in das Nachhaltigkeitsreporting erleichtern und den Aufbau eines eigenen Nachhaltigkeitsmanagements unterstützen. In insgesamt zwanzig Kriterien legt ein Unternehmen sein Nachhaltigkeitskonzept dar und zeigt, wie es mit Umwelt- und Sozialaspekten umgeht. Der Aufwand für die Erstellung einer solchen Entsprechenserklärung liegt im Schnitt bei 21 Arbeitstagen .

Was am Ende einen guten Bericht ausmacht

Mit dem Nachhaltigkeitsbericht erhält der Leser respektive die Leserin einen umfassenden und informativen Überblick über das Unternehmen, seine Nachhaltigkeitsstrategie und die Umsetzung im Unternehmen. Welche Ziele hat es sich gesteckt und über welche Maßnahmen versucht es, diese zu erreichen? Genaue und aktuelle Daten geben einen verlässlichen Überblick zu einzelnen Themenbereichen – wie viele Arbeitsunfälle gab es im letzten Jahr, wie hoch sind die Treibhausgasemissionen, wie groß ist der Anteil von Frauen im Unternehmen? Welche SMARTen Ziele ( S pezifisch, M essbar, A bgestimmt, R ealistisch und T erminiert) möchten wir erreichen? Und wenn es bereits mehrere Berichte gab, gehört ein Update mit Bezug auf die früheren Ziele dazu. Wurden sie erreicht? Gibt es Bereiche, in denen man nicht „glänzt" oder die von Stakeholdern angemahnt werden? Auch diese gehören in einen Bericht, denn nur dann ist er transparent und ausgewogen. Ein Beispiel: Das Outdoor-Unternehmen VAUDE zeigt in seinem Bericht sehr genau auf, wie seine Strategie zur Substitution gefährlicher Chemikalien aussieht, welche Erfolge es gibt und an welchen Stellen noch Verbesserungsbedarf besteht. Gerade die kritische Auseinandersetzung zeigt dem Leser, dass sich ein Unternehmen auch mit unangenehmen Themen beschäftigt und transparent darlegt, wo es (noch) hakt, und wie diese in Zukunft angegangen werden. Auch die Grenzen des eigenen Einflusses müssen klar gemacht werden – gerade die Lieferkette kann aufgrund der Komplexität oftmals nicht vollständig bis zum letzten Subunternehmer nachverfolgt werden .

Wer Inspirationen für ausgezeichnete Nachhaltigkeitsberichte sucht, sei auf das Ranking von IÖW und future e.V. verwiesen . Beide Institutionen bewerten seit 1994 Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte von großen und mittelständischen Unternehmen.

Kerstin Hermuth-Kleinschmidt
Zur Person
Dr. Kerstin Hermuth-Kleinschmidt ist promovierte Chemikerin und seit 2014 als Referentin und Beraterin tätig. Sie befasst sich vor allem mit der praktischen Umsetzung von Nachhaltigkeit in der naturwissenschaftlichen Forschung und dem Nachhaltigkeitsmanagement, speziell in Unternehmen aus dem Life-Sciences-Bereich. Sie ist Mitglied bei EGNATON (European Association for Sustainable Laboratories) und an der Erstellung des Zertifizierungssystems EGNATON-CERT beteiligt.
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